Offener Brief an den Oberbürgermeister Andreas Mucke

Einschätzungen zum Stellenwert der Kultur in Wuppertal

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

anlässlich der heutigen Sitzung des Beirates der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH möchten wir noch einmal unser Unverständnis über den Ablauf der Ereignisse und die Kommunikation seitens der Stadt und der Tanztheater GmbH äußern, die zur fristlosen Kündigung der Intendantin Adolphe Binder geführt haben.
Dieser Vorgang setzt aus unserer Sicht eine Serie von kulturpolitischen Missgriffen und Fehlentscheidungen fort, der in seiner Gesamtheit die Frage aufwirft, ob die hier handelnden Personen in der Lage sind, die ihnen zugewiesenen Aufgaben zu jemandes Zufriedenheit zu erledigen.

Die Allianz für Wuppertal hat bereits in der Vergangenheit auf Fehlentwicklungen im Kultur-Ressort hingewiesen. Als kurze Auflistung seien hier
• die zeitlich völlig fehlgeplante Renovierung und Ertüchtigung des Engels-Hauses inkl. angeschlossenem Museum, daher erst fertig zum Ende des Engels-Jahres 2020

• die öffentliche Demontage des Leiters des von der Heydt-Museums, dessen letzte Ausstellung wegen angeblicher Planungsmängel publikumswirksam und rufschädigend abgesagt wurde

• das ans Lächerliche grenzende Possenstück um die Ausrichtung der Wuppertaler Weihnachtsmärkte

• die Unfähigkeit, endlich in konkreten Zusagen und Schritten ein Pina-Bausch-Zentrum zu schaffen
genannt.

Was jedoch aus unserer Sicht das Schlimmste an diesem „Gesamtzustand“ ist:
Er ist symptomatisch!

Denn auch in der jetzt aktuellen Angelegenheit des Tanztheaters findet das altbekannte Prozedere statt:

Es ist bis heute keinem der in Verantwortung stehenden Personen gelungen,
1. eine Einschätzung zu formulieren
2. sich persönlich in irgendeiner Form überhaupt zu äußern
3. eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Vorgänge um das Tanztheater Pina Bausch weltweite Schlagzeilen generiert haben, wäre es hier zwingend nötig gewesen, ordnend und schlichtend einzugreifen. Dies ist aus unserer Sicht ein nicht zu heilendes Fehlverhalten der verantwortlichen Stellen.
Gerade der Geschäftsführer der Tanztheater GmbH und der Dezernent für Kultur haben durch ihr Handeln bzw. ihr Nichthandeln dem Bild der Stadt weltweit unwiderruflichen Schaden zugefügt.
Sicher ist es nicht leicht, Fehlentwicklungen im eigenen Ressort abzustellen und entstandene Fehler zu verantworten. Allerdings werden Führungskräfte auch in städtischen GmbH und höchsten Verwaltungspositionen dafür mehr als angemessen entlohnt.

Es bleibt nun abzuwarten, zu welcher Einschätzung die Gerichte in Sachen fristlose Kündigung von Frau Binder gelangen werden. Hier wird insbesondere für uns die Bewertung von Interesse sein, die das Gericht der Entscheidung und Verantwortlichkeit des Beirates zumessen wird.

Schließlich hat, auch wenn viele Stadtverordnete dies vermutlich anders sehen oder es ihnen schlicht egal ist, ihr Handeln im Schuldfall möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen.

Nur aus diesem Grund sieht die Allianz für Wuppertal aktuell davon ab, personelle Konsequenzen zu fordern.

Was wir aber auf jeden Fall fordern, ist dies:

Wenn schon die Verantwortlichen schweigen, so sollte der Hausherr diese Peinlichkeit auflösen.
Treten Sie vor die Presse, Herr Oberbürgermeister, und sagen Sie den Bürgern dieser Stadt, was diese wissen möchten! Sagen Sie, wie Sie diesen Vorgang bewerten und wie nun die Zukunft des Tanztheaters und des Pina Bausch Zentrums aussehen sollen!

Sitzen Sie die Sache nicht im Sommerloch aus, sondern seien Sie jung und dynamisch – wie in Zeiten des Wahlkampfs.

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