Pina Bausch und von der Heydt – Aktuelle Fragen zu Themen der Wuppertaler Kulturszene

Sehr geehrter Herr Dezernent Nocke,
sehr geehrter Herr Kulturausschuss-Vorsitzender Dr. Köster,

die öffentliche Wahrnehmung und die allgemeine Berichterstattung haben aktuell einige Projekte und Vorgänge im Fokus, die in den Aufgabenbereich des Dezernenten für Kultur und die des Kulturausschusses fallen. Leider vermisst die Ratsgruppe Allianz für Wuppertal hier klare Statements und feste Zusagen seitens des zuständigen Gremiums im Rat der Stadt Wuppertal und dem zuständigen Wahlbeamten der Stadtverwaltung.

Dabei sind uns besonders zwei Themenbereiche besonders ins Auge gefallen, nämlich

1. Der scheidende Direktor

Der Mann, der den Ruf des von-der-Heydt-Museums als gewichtigen Ort der Museumslandschaft etabliert hat, steht kurz vor dem Ruhestand.

Nach etlichen sowohl in finanzieller als auch publikumswirksamer Hinsicht erfolgreichen Ausstellungen, erinnert sei einmal an die Monet-Ausstellung mit 300.000 Besuchern, geht der Lotse von Bord, der seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger ein wohl bestelltes Feld hinterlässt.

Zum Abschluss wurde von Dr. Finkh eine Ausstellung mit dem Titel „Aufbruch zur Freiheit“ geplant, für deren Realisation er schon mehrere Jahre gearbeitet hat.

Diese Reminiszenz auf den Weg Europas in die Moderne wird nun mit dem fadenscheinigen Hinweis auf zu hohe Kosten abgesagt.

Leider ist dem internationalen Renommee des Museums durch diese Kommunikationspolitik ein schwerer Schaden entstanden, da der Vorgang deutschlandweit durch die Presse gegangen ist.

Es ist verwunderlich, dass ein Vorgang mit solch einem Presse-Interesse bisher nicht vom zuständigen Dezernenten oder Ihnen, Herr Köster, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur, deutlich kommentiert worden ist.

Hier wären dringend ein paar deutliche Worte an die Adresse des Vorstands der Von der Heydt-Museums GmbH von Nöten gewesen.

Doch eine verpasste Gelegenheit lässt sich aufholen, wozu wir Ihnen gerne die Gelegenheit bieten möchten.

Welchen Eindruck haben Sie, Herr Dr. Köster, von der Entscheidung des Vorstandes, die geplante Ausstellung nach drei Jahren der Planung ersatzlos zu streichen?

Wäre es nicht Aufgabe des Kulturausschusses, sich zu fundamentalen Ereignissen des Wuppertaler Kulturbetriebes zu äußern, ja sogar eine gestaltende Position einzunehmen? Wenn man sich dazu nicht äußern möchte, wozu möchte man dann überhaupt noch das Wort ergreifen?

Selbstverständlich gilt das Gleiche für den Dezernenten für Kultur, Herrn Nocke.

2. Pina-Bausch-Zentrum

Als DAS Leuchtturm-Projekt von Wuppertal 2025 gestartet, droht dem Aushängeschild eine Hängepartie zwischen BuGa und Uni-Seilbahn.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die SPD sich klammheimlich aus der Affäre stehlen möchte. Jedenfalls scheint dieser Eindruck auch bei der Westdeutschen Zeitung zu herrschen.

Sicherlich kann man das aktuell gezeigte Stück, wie in vielen Leserbriefen klar formuliert, ambivalent sehen. Es muss sogar darüber debattiert werden, ob das neue Stück dem Namen Pina Bausch überhaupt gerecht wird.

Über eines sollte aber, nach so langen Jahren, nicht mehr debattiert werden: Über den politischen Willen, ein würdiges Pina-Bausch-Zentrum zu errichten!

Auch wenn unser Oberbürgermeister der Meinung zu sein scheint, dass immer neue „Leuchtturm-Projekte“ auf dem Papier Wuppertal nach vorne bringen, so muss man sich doch einmal klar vor Augen halten, dass eine Stadt, die immer nur einen Schritt von der Pleite entfernt ist, ihre Schritte bedächtig wählen sollte.

Es führt kein Weg daran herum, dass eine Fokussierung auf EINES der Leuchtturm-Projekte nötig sein wird, denn 3 (!) Multi-Millionen-Euro-Projekte neben einander her kann Wuppertal nicht stemmen. Selbst zwei dieser Projekte sind reine Illusion!

Deshalb auch hier die klare Frage: Sollte der Ausschuss für Kultur hier nicht die Stimme der Vernunft aus dem Hintergrund sein, die den Blick auf das schon so lange verfolgte Ziel richtet und den Phantasten immer wieder in Erinnerung ruft, wo die Reise hingehen soll?

Sollte nicht der Kulturdezernent der Fackelträger sein, der Kurs hält auf das ausgerufene Ziel, einen neuen Mittelpunkt für das Tanztheater zu schaffen, neun Jahre nach dem Tod der berühmten Choreografin?

Es wäre schön, wenn Sie Zeit und Gelegenheit finden, unsere Bedenken zu bewerten und vielleicht sogar zu zerstreuen. Kultur ist einer der Gradmesser der Entwicklung eines Gemeinwesens, ein Garant für das Zusammenleben.

Welchen Stellenwert räumen Sie diesen beiden Punkten ein?

(Foto: Von der Heydt Museum © Medienzentrum Wuppertal)

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